Lüften - so macht man es richtig

Lassen Sie keinesfalls warme Außenluft in kühlere Räume . Sie holen sich Feuchtigkeit herein!

Allein durch richtiges Lüften kann man viel gegen die Bildung von Kondensfeuchte und Staunässe tun und zudem Heizkosten sparen! Häufig werden muffig riechende Räume dauerbelüftet - und das zu jeder Tages- und Jahreszeit. Dabei ist das die schönste Einladung für Kondensfeuchte, Staunässe und Modergeruch.

Was ist schlimmer als gut? Gut gemeint! Es mag paradox erscheinen, aber selten hat diese  Binsenweisheit mehr ihre Richtigkeit, als in der Frage des richtigen Lüftens. Gut gemeinte Dauerbelüftung von Kellern, Treppenhäusern und Schlafzimmern mit gekippten oder (teilweise) geöffneten Fenstern ist nämlich -ganz gegen jede gute Absicht- das beste Mittel sich Schimmelpilz, Modergeruch und Mauerfeuchte ins Haus zu holen. Noch bevor genauer betrachtet werden soll, warum das so ist, hier drei einfache Faustregeln:

  • Lüften Sie nur dann, wenn die Außentemperatur niedriger als die Raumtemparatur, besser noch- niedriger als die Temperatur der Wände, die Bauteiltemperatur ist.
  • Lüften Sie, eventuell bereichsweise, durch alle verfügbaren und vollständig geöffneten Türen und Fenster eines Bereichs und zwar nur solange, bis die Luft ausgetauscht ist. Das dauert  im Winter 2 bis 5 Minuten und im Sommer 15 bis 30 Minuten. Schließen Sie danach die Öffnungen bitte wieder unbedingt.
  • Nur Stoßlüften ist richtiges Lüften. Dauergekippte Fenster sind tabu!

Lüften hat neben der Zufuhr frischer Luft zum Atmen und der Beseitigung unangenehmer Gerüche die wichtige Funktion des Abtransports von Luftfeuchtigkeit. Ein einzelner ausgewachsener Mensch verdunstet über Nacht rund  einen halben Liter Wasser. Dazu kommen noch die Feuchtigkeit aus Küche, Bad und der Verdunstung von Pflanzen, Kleiderwäsche und eventuell die Ausdünstungen  von Haustieren. Würde man einen geschlossenen, bewohnten Raum eine Woche nicht lüften, wäre die Raumluft erheblich mit Feuchtigkeit belastet, sauerstoffarm und fürchterlich muffig.

Wasserdampf schlägt sich bekanntlich an allen Gegenständen nieder, die kälter als die Raumtemperatur sind. (Man denke an das kalte Getränk aus dem Kühlschrank, dessen Gefäß im Sommer so erfrischend beschlägt).  Feuchtigkeit kann zwar kurzfristig von guten Wandbelägen aufgenommen werden, aber irgendwann ist die Aufnahmefähigkeit des Oberflächenmaterials erschöpft und Kondensfeuchte wird sichtbar in und/oder auf den Wandoberflächen. Langfristig kann das zu Schimmelpilz, Ablösung von Wandbelägen und Schädigung der Mauersubstanz führen.

Sind die Wände durch Dauerbelüftung im Winter ausgekühlt, hat die in der der wärmeren Luft in Frühjahr und Sommer getragene Feuchtigkeit schnell ganze Räume und dort gelagerte Gegenstände oberflächlich durchfeuchtet, wenn Sie gut gemeint die warme Außenluft in kühlere Räume lassen. Moderat geheizte Räume dagegen halten die Feuchtigkeit bis zur nächsten Stoßlüftung in der Luft, und sie kann durch Luftaustausch abtransportiert werden. So wird das Beschlagen der Oberflächen oder Durchfeuchten der Räume mit Luftfeuchtigkeit vermieden.

Nicht nur der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperaturen bzw. der Körpertemperatur der im Raum befindlichen Gegenstände spielt eine wichtige Rolle. Auch die Tatsache, dass warme Luft erheblich mehr Wasser aufnehmen kann als kalte, ist entscheidend. Auf 21°C erwärmte Luft kann ca. 50% mehr Wasser aufnehmen, als die selbe Menge auf 15°C abgekühlte Luft. Diesen Temperaturunterschied erreichen Sie im Winter natürlich schneller als im Sommer (durch moderates Heizen im Winter), weswegen Sie im Sommer eventuell kühlere Abend- aber besser die frühen Morgenstunden zum Stoßlüften nutzen sollten. In der kalten Jahreszeit spielt der Zeitpunkt der Stoßlüftung eine kleinere Rolle, wohl aber die Dauer. Zu langes Lüften im Winter führt zum Auskühlen der Wände und der Gegenstände.

Wie schädlich gekippte Fenster sind, zeigt sich in dauerbelüfteten Räumen sehr deutlich: Gerade an durchkühlten Fensterrahmen und Laibungen kondensiert die Luftfeuchtigkeit und bewirkt langfristig gesehen Schäden, oft sogar Pilzbildung.

Sorgen Sie regelmäßig für frische Luft - aber nicht andauernd, sondern stoßweise und zwar dann, wenn es draussen kühler ist als in den zu belüftenden Räumen!

 

Die folgende Tabelle macht den Einfluss der Lufttemperatur besonders deutlich. Mit ihrer Hilfe lässt sich errechnen, wieviel Luftfeuchte sich durch Lüften eines Raumes abtransportieren lässt. Noch einmal zum Prinzip: Warme Luft nimmt mehr Feuchte auf als kalte. Ersetzt man die gesättigte warme Luft durch kalte, schließt danach wieder alle Öffnungen und erwärmt so die frische Luft auf Raumtemperatur, wird diese noch trockener und nimmt die überschüssige Feuchte von Oberflächen auf.

1 m³ Luft enthält bei (Quelle: EURAFEM-Schulungsunterlagen):

einer Lufttemperatur von 70% relativer Luftfeuchte 50% relativer Luftfeuchte
21°C 12,2 g/m³ 8,75 g/m³
15°C 8,6 g/m³ 6,1 g/m³
0°C 3,2 g/m³ 2,3 g/m³
-5°C 2,2 g/m³ 1,6 g/m³

Wussten Sie schon?

  • Wichtig- trocken heißt natürlich trocken

    Das Problem der Mauertrocknung ist leider und im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr vielschichtiges. Deshalb soll hier vor Allem der Begriff trocken einmal geklärt werden.

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